14. Februar 2005
Der Regenschirm
Ein Mann kommt zum Rabbiner. „Rabbi, mich drckt etwas. Jemand hat mir gestohlen meinen schnen Regenschirm. Den mit dem wertvollen Goldknauf. Was mich aber viel mehr aufregt als der Verlust ist: Ich kann den Gedanken nicht loswerden, dass es einer von der Mischpoche war. Der Schwager, die Schwiegermutter, das Dienstmdchen, was wei ich, womglich gar der Vater
Gottbehte oderr mein eigener Bruder. Stell dir vor, ein Dieb mitten in der Familie!“ …
„Lass mich klren“, sagt der Rabbiner. Und nach einer Weile: „Hr gut zu Mendel. Lad ein die ganze Mischpoche zu Kaffee und Kuchen. Den Schwager, die Schwiegermutter, das Dienstmdchen, was wei ich, den Vater Gottbehte und den Bruder. Und wenn getrunken ist der Kaffee und gegessen der Kuchen, holst du mit schner Bedchtigkeit das gute Buch von nebenan und zndest an die Kerzen. Dann, wieder mit schner Bedchtigkeit, legst du es vor dich auf den Tisch, und mit schner Stimme liest du ihnen vor die Zehn Gebote. Und wenn du kommst zu dem Siebten Gebot: Du sollst nicht stehlen, blickst du zum ersten Mal auf von dem Buch und siehst dir an in der Runde die ganze
Mischpoche. So aus dem Augenwinkel, du verstehst. Den Schwager, die Schwiegermutter, das Dienstmdchen, was wei ich, den Vater Gottbehte und den Bruder. Und was wirst du bemerken, Mendel? Der Schuldige wird sich verraten. Geht mit Gott, Mendel, und kommt wieder, berichten.“Schon zwei Tage spter ist Mendel wieder da. „Nu, was war?“, fragt ihn der Rabbi. „Was soll ich dir sagen, Rebbe“, antwortet Mendel mit strahlendem Gesicht. „Es war – es war einfach groartig! Genau wie du mir hast vorausgesagt, Rebbe! Nach dem Kaffee und Kuchen hab ich angezndet die Kerzen, und mit schner Stimme, so wahr mir Gott helfe, hab ich vorgelesen die Zehn Gebote. Dem Schwager, der Schwiegermutter, der Schickse, was wei ich, dem Vater Gottbehte und meinem Bruder. Und was soll ich dir sagen: Wie ich komme zu dem Gebot 'Du sollst nicht ehebrechen' – da ist mir eingefallen, wo ich hab stehen gelassen den Schirm!“
