4. November 2012
Wo ist der Regenschirm? Eine Kostprobe jdischen Humors
Kommt ein Mann zum Rabbiner und sagt: „Rabbi, jemand hat mir gestohlen meinen schnen Regenschirm, den mit dem wertvollen Goldknauf.
Was mich aber viel mehr aufregt als der Verlust ist dies: Ich kann den Gedanken nicht loswerden, dass es einer von der Mischpoche war.
Etwa der Schwager, die Schwiegermutter – was wei ich – womglich gar der Vater Gottbehte oder mein eigener Bruder: Stell Dir vor: Ein Dieb in der Familie!“
Der Rabbi denkt nach. Sagt nach einer Weile: „Hr gut zu, Mendel. Lad ein die ganze Mischpoche zu Kaffee und Kuchen. Den Schwager, die Schwiegermutter – was wei ich – den Vater Gottbehte und den Bruder.
Und wenn getrunken ist der Kaffee und gegessen der Kuchen, holst Du das Buch auf den Tisch und mit schner Stimme liest Du ihnen vor die Zehn Gebote.
Und wenn Du kommst zu dem Siebten Gebot blickst Du zum ersten Mal auf von Deinem Buch und siehst Dir an die Runde, die ganze Mischpoche. So aus dem Augenwinkel, Du verstehst! Den Schwager, die Schwiegermutter – was wei ich – den Vater Gottbehte und den Bruder. Und was wirst Du bemerken, Mendel? Der Schuldige wird sich verraten. Geht mit Gott, Mendel und komm wieder, um zu berichten.“
Schon zwei Tage spter ist Mendel wieder da. „Nu, was war?“ fragt ihn der Rabbi.
„Was soll ich Dir sagen, Rebbe“, antwortete Mendel mit strahlenden Gesicht.
„Es war – es war einfach groartig. Genau wie Du mir hast vorausgesagt, Rebbe!
Nach dem Kaffee und Kuchen habe ich angezndet die Kerzen, und mit schner Stimme, so wahr mir Gott helfe, habe ich vorgelesen die Zehn Gebote: Dem Schwager, der Schwiegermutter – was wei ich – dem Vater Gottbehte und meinem Bruder. Und was soll ich Dir sagen:
Wie ich komme zu dem Gebot: „Du sollst nicht ehebrechen“, da ist mir eingefallen, wo ich den Schirm hab stehen lassen!“
[ENDE]
